Geschichtlicher Rückblick

über unsere Pfarre

(Entnommen dem Buch "Kultur- und Kirchengeschichte des Jauntales" von + 1938 Stefan Singer.)

 

Die Pfarre Sittersdorf

 

1. Ursprung der Pfarre Sittersdorf

Die Pfarre Sittersdorf war ursprünglich eine Filiale der Pfarre Eberndorf, deren Gründung noch in das IX. Jahrhundert zurückreicht. Diese Urpfarre war einst die größte in Kärnten; denn sie reichte von der Drau bis über den Seebergsattel und von St. Veit im Jauntal bis Globasnitz.

Die Geschichte der Pfarre Sittersdorf ist also mit der Geschichte der Pfarre Eberndorf auf das engste verbunden. Nach Einführung der Augustinerchorherren in Eberndorf im Jahre 1106, hatten diese die Seelsorge der ganzen Gegend übernommen. Aber schon im XV. Jahrhundert hatte ein Chorherr in Sittersdorf und ein anderer in Rechberg seinen Wohnsitz. Er hatte aber nur die Stelle eines Vikars, und der Propst von Eberndorf konnte ihn nach Belieben wieder abberufen.



Foto: Alte Volksschule, Karner Kirche und Pfarrhof (von Rechts nach Links)

"Magister Christianus Plebanus"(1466): Ein eigener Friedhof (XIV) und ein eigener Taufstein (XV) deuten auf eine frühe Selbständigkeit  hin. Und tatsächlich wird in einer Urkunde des Jahres 1466 ein Pfarrer von Sittersdorf namens "Magister Christianus plebanus" genannt. Als selbständige Pfarrer blieben sie aber immer noch Chorherren, d. i. Ordens- geistliche, und ihre Hinterlassenschaft musste dem Kloster zufallen. (So die Entscheidung des Herzogs Ernst des Eisernen aus dem Jahre 1408.) Das Kloster musste aber dafür nach dem Tode jedes Pfarrers dem herzoglichen Pfleger in Bleiburg ein Pfund Wiener Groschen oder einen Wintermantel und zwei Paar Filzschuhe abliefern.

Weil aber unter den im Jahre 1408 angeführten selbständigen Pfarren Sittersdorf noch nicht vorkommt, muss sie erst nach diesem Jahre errichtet worden sein. Die Pfarre hatte aber nicht immer die gleiche Ausdehnung, da im XVII. und im XVIII. Jahrhundert die jetzige Pfarre St. Philippen bei Sonnegg als Filiale nach Sittersdorf gehörte.

2. Der Bau der Pfarrkirche

Friedhof und Karner

Sie steht auf einem niederen, mit Mauern befestigten Hügel, den die Türken, die dort ihr Lager aufgeschlagen hatten, in der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts erfolglos bestürmten. Um die Kirche herum ist der Friedhof.

Auf der Südseite der Kirche ist ein runder Karner spätromanischen Stiles, somit schon aus dem XIV. Jahrhundert. Im unteren Teile bewahrte man die Gebeine der Toten, im oberen war die Kapelle, die dem Erzengel Michael geweiht war. Jetzt dient der Karner als Aufbahrungshalle.

Hauptschiff: Die Kirche, der an der Westseite ein zweistöckiger Turm angebaut ist, hat ein 12 m langes, mit Tonnengewölbe eingedecktes Schiff, dem ein 9 m langes, gotisches Presbyterium angegliedert ist. Später wurde auf der Nordseite ein 7 m langes und 3 m breites, auf der Südseite auch die Sakristei. Auf den ersten Blick kann man schon entnehmen, dass die Kirche nicht auf einmal ausgebaut wurde.

Aus dem Jahre 1154, in welchem die Kapelle der Hl. Helena das erstemal genannt wird, stammt nur das Mittelschiff, das eine flache Holzdecke hatte. Im XV. Jahrhundert haben sie die halbkreisförmige Apsis (oder das Chorquadrat) entfernt und bauten das jetzige Presbyterium mit Strebepfeilern, Diensten und Rippen dazu. Leonhard I. Pewerl (1508 - 1536), Bischof von Lavant, hat das Presbyterium, das Schiff und zwei Altäre am 16. August 1515 konsekriert.

Seitenschiffe: Um das Jahr 1600, als St. Philippen bei Sonnegg wieder als Filiale hiezukam, wurde die Kirche für den so vergrößerten Kirchenbesuch zu klein, und so entstanden die beiden Seitenschiffe. Die Zwischenmauern wurden entfernt und durch Pfeiler ersetzt.

Turmbau: Schließlich erbaute man an Stelle des früheren Dachreiters einen neuen Turm. Er trägt die Jahreszahl 1690 (siehe das Foto in der Galerie!). Der Turmbau ging aber zu langsam vor sich, weshalb sich nach zwei Jahren der Visitator für den Ausbau strenge einsetzen musste. Er wurde aber so mangelhaft gebaut, dass er am 13. Juli 1864 einstürzte und hiebei das Kirchengewölbe zertrümmerte. Im Jahre 1688 wurde dann der jetzige Turm erbaut. Der Sängerchor wurde auf Anordnung des Visitators im Jahre 1711 erbaut. Die Sakristei wurde 1700 auf der Nordseite angebaut. Wegen zu großer Feuchtigkeit an den Mauern ordnete aber der Visitator an, dass eine neue an der Südseite zu errichten, die bisherige aber als Kapelle zu benützen sei.

3. Die Altäre

Hauptaltar: Alle Altaraufsätze sind aus Holz und im Barockstil. Weil der Visitator 1749 anordnete, dass der Aufsatz des Hauptaltars bemalt, respektive vergoldet werden muss, kann man daraus schließen, dass er damals ganz neu war. Die Statue der Hl. Helena ist 1,50 m hoch, neben ihr ist das Kreuz mit 3 Nägeln. Um sie herum stehen die Statuen der Hl. Katharina, Margareta, des Hl. Blasius und Erasmus. Oberhalb ist das Bild Mariä Himmelfahrt. Der Tabernakel ist neu.

Marienaltar: Die Anschaffungszeit und den Spender finden wir im Gedenkbuch verzeichnet: »Zu Ehren der glorwürdigsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria hat diesen Altar machen und mallen lassen der theuerste Herr Mathias Miglauz und Marianna seine Hausfrau. So geschehen Anno 1686.« Maria hält das Jesuskind am rechten Arme. Daneben sind die Statuen des Hl. Johann Nepomuk (aus späterer Zeit), Franz Xaver, Joachim mit der Wurfschaufel und Anna mit Maria und Jesus (selbdritt). In der Predella steht die Statue des Hl. Jakobus, ober dem Aufsatz der Hl. Josef mit dem Jesuskinde. 

Im südlichen Seitenschiff: ist der Altar Mariä Siebenschmerzen. Der Visitator gab 1708 die Erlaubnis, dass die Mauer zwischen dem Haupt- und Seitenschiffe behufs Aufstellung dieses Altares entfernt werden kann. Der Altartisch ist aus rotem Sittersdorfer Marmor, darauf ist die Jahreszahl 1721. Errichtet hat ihn der Generalvikar Zeball (Inschrift). Unter dem leeren Kreuze steht die Statue Mariens in natürlicher Größe mit ausgebreiteten Armen. In der Altartischnische liegt der Leichnam Christi. neben Maria knien der Hl. Dominikus und die Hl. Klara, außerhalb der Säulen stehen die Hl. Veronika und Maria Magdalena. In Medaillions sind die Geheimnisse des heiligen Rosenkranzes dargestellt. Ober dem Aufsatz ist ein leeres Kreuz, daneben Engel mit den Leidensgeräten. Im Jahre 1717 wurde die Bruderschaft Mariä Siebenschmerzen eingeführt.

Der Altar an der Ostseite des nördlichen Seitenschiffes wurde im Anfange des XVIII. Jahrhundertes, als eben die Sakristei verlegt wurde, errichtet. Das Altarbild stellt die Hl. Barbara mit dem Kelche dar, außerhalb der Säulen sind die Statuen der Hl. Apollonia und Agnes, an der Decke das Bild des Hl. Dismas mit der Inschrift: Memento mei Domine! (Herr gedenke meiner!) [befindet sich im Pfarrhof und ist von außen durch das Fenster sichtbar.] An der Nordwand dieses Seitenschiffes steht der Altar des Hl. Oswald. Er ist aus der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts, ist mit Bändern und Akanthusblatt geschmückt. In der Mitte ist die Statue des Hl. Oswald, an ihrer Seite die Statuen des Hl. Christophorus und des Dominikaners Peter von Verona, dessen Kopf mit einem Säbel gespaltet ist. In der Altartischnische liegt der Leichnam des Hl. Franz Xaver, der 1623 heiliggesprochen wurde. Wahrscheinlich haben diesen Altar anläßlich der Jahrhundertfeier dieser Heiligsprechung die Eberndorfer Jesuiten errichtet.

Anmerkung: Laut Information von Herrn Josef Starz befindet sich hinter dem Altar des Heiligen Oswald ein ehemaliges Fenster und ein Fresko der Madonna von Lourdes.

4. Die Glocken

Im Turme sind noch zwei alte Glocken; die anderen zwei wurden nach dem Weltkriege (1923) angeschafft. Die älteste Glocke 80 x 66, stammt aus der ersten Hälfte des XV. Jahrhunderts und trägt in gotischen Majuskeln die Inschrift: O rex gloriae veni cum pace. Ioannes, Lucas, Marcus, Matthäus. (Oh König der Herrlichkeit, komm mit Frieden. Johannes, Lukas, Markus, Matthäus) Die zweite, 43 x 37, trägt die Jahreszahl 1539 und die Inschrift: Inter natos mulierem non surrexit maior Ioanne Paptista. (Unter den vom Weibe Geborenen erstand niemand größer als Johannes der Täufer.)

 

Soweit der geschichtliche Überblick.